Westmännerinseln

Karte

Vor der Südküste Islands liegt eine Inselgruppe, die im Zuge einer Mord- und Entführungsgeschichte am Berg Hjörleifshöði ganz am Anfang der nordischen Besiedlung Islands den Namen Westmännerinseln erhielt. Sie besteht aus 15 Inseln und mehreren Schären und Felsklippen. Lediglich die Hauptinsel Heimaey ist bewohnt.

Heimaey

Die Westmännerinseln sind recht jung, entstanden in den letzten 10-20.000 Jahren durch untermeerische Vulkanausbrüche. Vor ca. 5.000 Jahren verband der Ausbruch des Helgafell mehrere Inseln miteinander und Heimaey entstand. 1963 erhielt die Inselgruppe internationale Aufmerksamkeit, als aus den Tiefen der Erde eine neue Insel entstand - Surtsey. Der vorerst letzte Vulkanausbruch ereignete sich 1973, als sich in der Nacht des 23. Januar eine 1.600 m lange Spalte öffnete und Lava spieh. Die Bevölkerung wurde noch in der selben Nacht aufs Festland gebracht und konnte erst viele Monate später nach Heimaey zurückkehren. Im Zuge dieses 5 Monate währenden Ausbruchs vergrößerte sich Heimaey um 2,2 km², aber ein Drittel der Häuser lag und liegt unter Lava und Asche begraben.

Grundsätzliche Informationen zu den Westmännerinseln sowie Übernachtungsangebote findet ihr hier und hier.

AnreiseWanderungenMuseensonstige Aktivitäten   ↪ zurück zur Übersicht

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Anreise

Nach Heimaey gelangt ihr mit der Fähre oder dem Flugzeug. Die Informationen zur Fährverbindung findet ihr hier. Während der Sommermonate solltet ihr meist Glück haben und die kurze Verbindung ab Landeyjahöfn nutzen können. Dadurch lassen sich die Westmännerinseln gut als Tagesausflug in die Reise integrieren.

Flugverbindungen bestehen ab Reyjavík mit Eagle Air (im Sommer 2017 So-Fr 2x täglich) oder ab Bakki mit Atlantsflug. Nach Bakki gelangt ihr ebenso wie zum Fährhafen Landeyjahöfn, biegt halt nur kurz vorher ab - Karte; der Flug dauert 10 Minuten.

Darüber hinaus werden von einigen Busreiseveranstaltern wie Grayline Tagestouren von Reykjavík aus angeboten, bei denen ihr begleitet oder unbegleitet mit dem Bus bis nach Landeyjahöfn fahrt, dann die Fähre nehmt und vor Ort ein Ausflugsprogramm habt, das oft auch eine Inselerkundung mit dem Bus oder eine Inselumrundung mit dem Boot einschließt.

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Wanderungen

Heimaey lässt sich sehr gut zu Fuß erkunden, wer nur wenig Zeit, sollte mit einem Fahrzeug unterwegs sein. Es werden Bustouren oder geführte Touren angeboten, ihr könnt Bootstouren um die Insel(n) unternehmen und mehrere Museen oder das kleine Aquarium runden das Angebot ab.

Empfehlenswert ist eine Wanderung auf den Vulkan Eldfell. Vom Hafen aus sind es ca. 1,2-2 km Fußweg, bis ihr den Wanderweg auf den Eldfell erreicht (Karte, auf der Luftaufnahme sind die Fußwege erkennbar), wobei es natürlich mehrere Möglichkeiten gibt, wie ihr dorthin gelangt. Oben angekommen spürt ihr noch immer die Wärme, die das Gestein ausstrahlt, auch wenn der Ausbruch mehr als 40 Jahre zurück liegt. Und ihr habt vor allem einen tollen Blick auf die gesamte Insel und bis zum Festland. Je nachdem, wie ihr wandert (es sind mehrere Wege möglich) und ob ihr euren Weg zu Fuß woanders fortsetzt, ergeben sich unterschiedliche Zeiten - plant ca. 1,5-2 Stunden ein.

Eldfell Eldfell Eldfell

Ihr könnt anschließend um den Berg herumlaufen und eine Tour durch das 1973 entstandene Lavafeld unternehmen. Dabei stoßt ihr auch auf die Lavahöhle Páskahellir. Überhaupt ist es interessant, eine zumindest kleine Tour in diesem Lavafeld zu unternehmen - egal, ob ihr am Eldfell oder in der Nähe des Hafens startet (Karte). Mehrere Fußwege durchziehen das Lavafeld, Straßenschilder zeigen an, wo einst die Straßen verliefen und hin und wieder seht ihr Überreste von unter der Lava begrabenen Häusern. Die Wanderung im Lavafeld östlich des Eldfell ist etwas rauer von der Wegbeschaffenheit, die Wege nah an der Stadt sind wohlgeformt.

Páskahellir Kirkjubæjarhraun Leuchtturm Urðaviti

Auch der Vulkan Helgafell kann bestiegen werden, den Ausgangspunkt findet ihr hier.

Helgafell Blick vom Helgafell Blick vom Helgafell

Im Nordteil der Insel ergeben sich weitere Wandermöglichkeiten. Zum einen gibt es das Tal Herjólfsdalur, in dem sich auch der Zeltplatz befindet - Karte. Von dort aus könnt ihr auf die umliegenden Berge wandern. Das Tal ist benannt nach dem vermeintlich ersten Besiedler Heimaeys, Herjólfur Bárðarson, der um das Jahr 900 in diesem Tal gesiedelt haben soll. Ausgrabungen brachten jedoch Siedlungsreste zu Tage, die darauf hinweisen, dass hier schon 100 Jahre früher Menschen gelebt hatten.

Vom Hafen aus startend könnt ihr Heimaeys höchsten Punkt erreichen - den Gipfel des Berges Heimaklettur (283 m, Karte). Der Aufstieg ist recht steil, an einigen Stellen sind Leitern und Ketten zu benutzen und insgesamt solltet ihr trittsicher sein. Aber auch von hier habt ihr eine tolle Aussicht. Plant für die Tour ab Ausgangspunkt ca. 1,5-2 Stunden ein.

Heimaklettur Heimaklettur Heimaklettur

Mit etwas mehr Zeit könnt ihr auch einmal fast um die gesamte Insel spazieren. Ausgehend vom Herjólfsdalur führt ein Wanderweg immer an der Küste entlang bis zur Südspitze, Stórhöfði, und dann an der Ostküste zurück bis zum Eldfell. Wenn ihr Glück habt, könnt ihr dabei auch Papageitaucher entdecken.

Papageitaucher

Auf dem Rundgang kommt ihr auch an Orten vorbei, die in Verbindung mit dem Überfall der Algerischen Piraten im Jahr 1627 stehen, die Island an drei Orten (Heimaey, Grindavík und Djúpivogur) überfielen, viele Menschen töteten und noch mehr entführten, um sie in Algier auf dem Sklavenmarkt zu verkaufen. Heimaey war besonders stark betroffen. Von den damaligen 500 Bewohnern wurden 36 getötet und 242 versklavt - nur wenige kehrten jemals nach Island zurück. Zu den Orten gehören z. B. die Hundraðmannahellir, eine Höhle, von der es heißt, dass sich dort 100 Menschen vor den Piraten versteckt hatten, am Ende aber doch entdeckt wurden (Karte) oder die Piratenbucht, Ræningjatangi, wo die Piraten damals an Land kamen (Karte).

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Museen

Eldheimar

Im Jahre 2014 öffnete das Museum Eldheimar seine Pforten. Das Museum ging im Grunde aus dem Projekt "Pompej of the North" hervor, mit dem man im Juni 2005 begann, in der Asche und dem Lavafeld von 1973 zu graben. Dabei wurde im Laufe der Jahr ein Teil eines Straßenzuges freigelegt, die Häuser darunter kamen zum Vorschein. Mit der Museumseröffnung sind diese Ausgrabungen leider nicht mehr zugänglich. Nur eines der Häuser wird in der Ausstellung gezeigt, die darüber hinaus aber sehr informativ über die damaligen Ereignisse berichtet. Der Besuch ist wirklich zu empfehlen und ihr könnt euch dort locker mehr als 1 Stunde aufhalten.

Aquarium

Nur 300 m vom Hafen entfernt findet ihr das kleine Aquarium, dessen heimlicher Star seit einigen Jahren der Papageitaucher Tóti ist, der dort aufgepeppelt wurde und im Aquarium lebt (Karte).

Ein weiteres Museum ist das Volksmuseum beim Rathaus mit interessanten Dauerausstellungen, u. a. zum Fischfang und der Fischverarbeitung, der Lebensgrundlage dieser Insel, zum Piratenüberfall von 1627, zu den Mormonen oder zum Festival Þjóðhátið.

Stabkirche

Im Bereich der im 16. Jahrhundert errichteten Festungsanlage Skansinn (Karte) befindet sich auch der Nachbau einer Stabkirche, die im Jahr 2000 vom Staat Norwegen anlässlich der 1000-jährigen Christianisierung Islands geschenkt wurde. Unmittelbar daneben befindet sich eines der ältesten Häuser Islands, Landlyst von 1847, in dem früher die Bücherei von Vestmannaeyjar untergebracht war und später die erste Entbindungsklinik in Island. Gegenstände aus dieser Zeit gehören zum Museum, das das Haus seit dem Jahr 2000 an seinem neuen Platz beherbergt.

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Sonstige Aktivitäten

Erste Anlaufstelle für all diejenigen, die Heimaey nicht auf eigene Faust erkunden möchten, ist Viking Tours. Täglich um 14 Uhr startet die 2-stündige Bustour um die Insel. Daneben werden auch Bootstouren um Heimaey und nach Surtsey angeboten sowie eine 3-stündige Wandertour auf den Eldfell, die auch zur Festungsanlage Skansinn führt.

Surtsey-Tour mit Ribsafari

Ein weiterer Anbieter zu Wasser ist Ribsafari. RIB-Boote sind Festrumpf-Schlauchboote, die ihre eigene Art von Fahrvergnügen bereiten. Bei starkem Wellengang kann das auch heikel werden - wer "Rücken" hat, sollte diese Boote dann besser nicht nutzen.

Bei beiden Anbietern finden die Touren um Heimaey recht regelmäßig statt, es sei denn, das Wetter ist so stürmisch, dass die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann. Dann werden kleinere Touren im Hafenbereich angeboten, die aber nicht soo prickelnd sind. Interessant sind die Touren, die nach Surtsey führen, die aber aufgrund ihrer Dauer und des Preises nicht ganz so häufig zustande kommen. Egal, mit welchem Boot und auf welcher Tour ihr unterwegs seid - haltet immer Ausschau nach Walen, die Sichtungschancen sind gar nicht so schlecht.

Ein weiterer Anbieter für geführte Touren auf Heimaey ist Eyja Tours und natürlich hat auch Heimaey ein Schwimmbad.

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