Von Kirkjubæjarklastur nach Skaftafell

Karte

Am Kreisverkehr bei Kirkjubæjarklastur geht es weiter Richtung Osten. Knapp 70 km sind es bis nach Skaftafell und damit an den Fuße des Gletschers Vatnajökull. Zeigt sich zu Beginn immer noch wieder herrlich geformtes Vulkanstein auf der Landseite, wird die Landschaft bald offener, bis sie nach dem Berg Lómagnúpur wieder in Form einer riesigen Sanderfläche erscheint. Beit gutem Wetter hat man fast die gesamte Fahrtstrecke über freie Sicht auf den Vatnajökull.

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Foss á Síðu

Knapp 12 km östlich von Kirkjubæjarklastur befinden sich nicht nur einige Gehöfte, sondern auch der Wasserfall Foss á Síðu. Manchmal kommt er recht unscheinbar daher, manchmal lädt er zum Stoppen ein. Ein offizieller Parkplatz ist nicht wirklich vorhanden und da sich die zum Halten einladende Stelle kurz vor einer Kurve befindet, gebt bitte Acht auf den Straßenverkehr - und nehmt Rücksicht auf die Bewohner.

Anfahrt auf die Hausansammlung Foss Foss á Síðu Foss im Winter

Ich persönlich finde immer schon die Anfahrt dorthin wunderschön - diese Formen, die Wasser, Wind und Sand über die Jahrtausende ins Tuffgestein "gemeißelt" haben.

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Dverghamrar

Nur einen Katzenprung davon entfernt, keinen Kilometer, findet ihr auf der rechten Seiten die Basaltsäulenformation Dverghamrar. Ein Hinweisschild ist vorhanden - achtet darauf, wenn ihr den Berg hinauffahrt.

Dverghamrar Dverghamrar  

Man vermutet, dass die Lava, aus denen sich die Säulen bildeten, vor 2 Mio Jahren floss und dass nach Ende der letzten Eiszeit, als der Meeresspiegel höher als heute war, Meerwasser sie überformt hat. Von dem Ort selber glaubt man, dass dort übernatürliche Wesen gehaust haben - Elfen oder Zwerge. Vermutlich hat dieser Platz daher seinen Namen - Zwergenfelsen. Vor Ort findet ihr Informationstafeln zu diesen Themen und eine Picknick-Bank.

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Fluss Fossálar

Fluss auf der Strecke

Ein kleines Stück weiter, jetzt wieder auf der Bergseite, fließt ein Fluss entlang, der je nach Wetter zum Fotostoppen einlädt. Noch vor nicht all zu langer Zeit haben sich nur Angler dort vergnügt. Als aber immer mehr Fotogruppen in Island unterwegs waren, die Ziele zum Ausprobieren suchten, wurde der wilde Parkplatz vor Ort immer größer. Bei schönem Licht ist die Ecke ein Augenschmauß - aber kein Ziel, an dem unbedingt gestoppt werden muss. Vermutlich ist es hier eher der "Herdentrieb", der Reisende stoppen lässt, sobald mehr als ein Auto an der Straße parkt - *zwinker*. Meine Aufnahme stammt von Ende Februar, kurz nach Sonnenaufgang.

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Orustuhóll

Quasi gleich nebenan, auf der Meerseite, befindet sich ein Hügel, der wie eine von Lava umschlossene Insel aussieht - der 90 m hohe Tufffelsen Orustuhóll. Man kann diesen Felsen besteigen, hat von oben eine schöne Aussicht, unten herum viele nette Fotomotive und auch hier wieder keinen offiziellen Parkplatz. Und wer weiß, welche Schlacht es einst war, die diesem Hügel seinen Namen gab - Schlachthügel.

Orustuhóll Orustuhóll Orustuhóll

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Núpsstaður

Auf der Weiterfahrt Richtung Gletscher erscheint kurz westlich des Berges Lómagnúpur auf der Landseite des Gehöft Núpsstaður, das noch vor einigen Jahren ein Stopp für fast jede Reisegruppe war. Und zwar der Kirche wegen, die eine der wenigen noch erhaltenen Torfkirchen Islands ist. Das Gehöft war früher zugänglich. Mit dem Tod des letzten der langjährigen Bewohner und einem damit einhergehenden Besitzerwechsel wurde es jedoch gesperrt - vor der Einfahrt ist ein verschlossener Zaun.

Torfkirche bei Núpsstaður Teile des Gehöfts Núpsstaður  

Die Kirche jedoch gehört weiterhin zum Nationalmuseum. Inwieweit sie noch zugänglich ist, kann ich an dieser Stelle nicht sagen. Man sieht an der Straße immer wieder Autos parken und Reisende zu Fuß auf das Gelände gehen. Bei einem Besuch der Kirche respektiert bitte, dass der Rest des Geländes Privatgelände ist - einschließlich der Gebäude, die dort stehen.

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Lómagnúpur

Der Berg Lómagnúpur ist eine Landmarke im Süden der Insel. Die höchste Erhebung geträgt 764 m, während dieses ehemalige Kliff an der Straßenseite wohl knapp unter 700 m hoch ist. Einst reichte das Meer bis an diesen Berg, in dem der Riese mit der Eisenstange in der Hand hausen soll. Er ist einer der vier Schutzgeister des Landes. Sie traten der Legende nach z. B. in Aktion, als Harald Blauzahn von Dänemark in Vorbereitung der militärischen Unterwerfung Islands einen Zauberer dorthin entsandte, damit dieser die besten Landeplätze auskundschaftete. Doch wo immer der als Wal verwandelte Zauberer in Island an Land gehen wollten, trieben ihn die Schutzgeister zurück, so dass er unverrichteter Dinge nach Dänemark zurückkehren musste (aus: Jón R. Hjálmarsson, Die Geschichte Islands).

Lómagnúpur Lómagnúpur Lómagnúpur

Der Berg kann von der Ostseite her bestiegen werden, über das Fossdalur (Karte), ich selber habe die Tour, wennschon gewollt, jedoch noch nicht in Angriff genommen. An der Westseite des Berges kann man einen von mehreren Bergstürzen erkennen - dieser erfolgte wahrscheinlich 1789 im Zusammenhang mit einem Erdbeben. Auch 2011 lösten sich im Zuge des Grímsvötn-Ausbruchs ein größerer Stein vom Berg.

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Skeiðarásandur

Der Skeiðarásandur, der östlich des Lómagnúpur beginnt, ist die mit ca. 1.000 km² größte Sanderfläche Islands. Sie ist in großen Teilen ein weites graues Nichts mit wahlweise Gletscher oder Meer "dahinter". Viele Flüsse verlaufen hier - seit 1974 sind sie alle überbrückt, so dass Reisende die Fläche ganzjährig ohne Strapazen queren können. Die Flüsse wechseln immer mal wieder ihr Flussbett, suchen sich einen neuen Weg, Brücken werden in Folge von Vulkanausbrüchen und mit ihnen einhergehenden Gletscherläufen beschädigt und zerstört oder werden aus anderen Wartungsgründen neu errichtet. Vegetation versucht sich anzusiedeln und hat meist doch nur eine Chance bis zum nächsten Gletscherlauf, der über sie hinwegfließt. Sandstürme können hier quälend und zerstörerisch sein und die Eintönigkeit der Fläche ist gleichsam faszinierend.

Skeiðarásandur Skeiðarásandur Skeiðarásandur

Im Norden wird die Fläche durch den Skeiðarájökull begrenzt, im Süden scheint sie nicht enden zu wollen, im Osten fährt man auf Skaftafell und die Gletscherzungen Skaftafellsjökull und Svínafellsjökull zu, hat sie wie ein heiß ersehntes Ziel im Blick. Das Fahren auf der Sanderfläche ist nur auf den ausgewiesenen Pisten und bis zu den ausgewiesenen Parkplätzen erlaubt. Nachdem das Off-road-Fahren hier mehr und mehr zunahm, wuchs im gleichen Maße der Schilderwald, kamen aber auch ein paar mehr Park- bzw. Fotostoppplätze hinzu.

Skeiðarásandur Skeiðarásandur  - eine der vielen Brücken Skeiðarásandur

Kurz vor dem Abzweig zum Besucherzentrum und Zeltplatz Skaftafell gibt es einen letzten Parkplatz mit Hinweisschildern zu dem Vulkanausbruch von 1996, dem ein gewaltiger Gletscherlauf folgte, der u. a. eine Brücke und Teile der Straße zerstörte. Alte Brückenpfeiler stehen quasi als Mahnmal. Während die Ringstraße am Fuße des Gletschers einen Schwenk nach Süden macht, solltet ihr zunächst nach Norden zum Vatnajökulsþjóðgarður bzw. dem Besucherzentrum des Vatnajökull Nationalparks abbiegen. Neben dem Besuchentrum gibt es dort den größten Zeltplatz Islands (Achtung: leicht andere Anfahrt als zum Besucherzentrum) und der Ort ist Ausgangspunkt für eine Vielzahl möglicher Wanderungen und organisierter Gletschertouren.

Skeiðarásandur Skeiðarásandur  - eine der vielen Brücken  

Weitere Informationen zu den (Wander)Möglichkeiten rund um Skaftafell findet ihr hier.

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