Reykjanes-Halbinsel

Monique auf Lava

Wenn ich die Reykjanes-Halbinsel mit nur einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es vermutlich Lava. Wenn es ein paar mehr sein dürften, dann vermutlich Lava, Lava und Lava und der Mensch als Fremdkörper mittendrin. Es ist das, was die meisten Flugreisenden als erstes von Island zu sehen bekommen - ausgedehnte Lavafelder, verbunden mit der an sich selbst gerichteten Frage, ob man das richtige Urlaubsziel ausgewählt hat.

Die Halbinsel befindet sich im Südwesten der Insel (Karte), hier geht der Mittelatlantische Rücken sozusagen an Land. Viele Spalten durchziehen Reykjanes, Spalten aus denen heraus Magma an die Erdoberfläche trat und große Lavafelder entstehen ließ. Der letzte Ausbruch erfolgte wahrscheinlich um 1340 (Krýsuvík), die Erde bebt hingegen öfter.

Für die überwiegende Mehrheit der Flugreisenden beginnt und endet die Islandtour auf Reykjanes - am Internationalen Flughafen Keflavík. Eine Erkundung der Halbinsel bietet sich daher zu Beginn oder Ende der Reise an. Sie ist aber auch sehr gut als Tagestour von Reykjavík aus zu unternehmen.

Auf dem Weg vom Flughafen weg fallen den meisten die bunten Häuser auf. In diesem Ortsteil, der heute Ásbrú heißt (Karte), befand sich bis zum Jahr 2006 die US Nato Militärbasis. Seit dem Truppenabzug versucht man das Geländer anderweitig zu nutzen. Hier finden sich u. a. das Hochschulzentrum Keilir (Atlantic Center of Excellence), Eldey (ein Zentrum für Unternehmen) oder auch Islands größtes Filmstudio.

Allgemeine Reiseinformationen zur Reykjanes-Halbinsel findet ihr hier.

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Vogelfelsen Hafnaberg

Wenn ihr direkt bei Àsbrú auf die Straße 44 Richtung Hafnir abbiegt, könnt ihr eine nette Runde entlang der Halbinsel starten und erreicht bereits nach 14 km (Karte) einen Parkplatz, der euch zu einer ersten Wanderung einlädt, und zwar zum Vogelfelsen Hafnaberg. Ich habe diese Wanderung erst 2015 in Angriff genommen, an einem grauen Tag, an dem diese Landschaft so richtig schön zur Geltung kam - ich fühlte mich irgendwie fernab und verloren.

Weg zum Vogelfelsen Hafnaberg Weg zum Vogelfelsen Hafnaberg Vogelfelsen Hafnaberg

Fernab schien auch das Ziel - ich weiß nicht, ob ich 45 oder 60 min bis zur Küste brauchte. Aber irgendwie hatte dieser Weg etwas. Viele Vögel waren nicht am Felsen, aber ich konnte den Möwen bei ihren Start- und Landemanövern zuschauen. Das fernab hatte aber auch zur Folge, dass sich ein wunderbares Gefühl der Entspannung einstellte. Wenn ihr also gleich zu Beginn eurer Islandreise eine extra große Portion Ruhe und Einsamkeit braucht, dann startet durchaus mit dieser Wanderung und plant ca. 2 Stunden dafür ein.

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Brücke zwischen den Kontinenten

Nur gut 2 km weiter auf der Straße 44/425 (Karte) gelangt ihr zu einem als Einstimmung witzigen Fototmotiv, der Brücke zwischen den Kontinenten. Über eine der vielen Spalten, die die Halbinsel durchziehen, hat man eine Brücke gespannt, auf der ihr symbolisch zwischen den beiden Kontinenten hin- und hergehen könnt. Geologisch betrachtet natürlich. Und natürlich nicht ganz ernst zu nehmen, denn die eine Spalte, an der die Kontinentalplatten auseinanderdriften, gibt es nicht.

Brücke zwischen den Kontinenten Schild zu den Kontinentalplatten  

Eindrucksvoll finde ich es allemal, die Erde so auseinandergerissen zu sehen. Ihr werdet an diversen Stellen auf Island solche Strukturen sehen, in ganz besonderem Ausmaß natürlich in Þingvellir. Vor Ort findet ihr auch Informationstafeln zur Plattentektonik. Plant hier zumindest ca. 20 min ein.

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Kraterreihe Stampar

Kraterreihe Stampar

Wieder nur einen Katzensprung entfernt (Karte) könnt ihr an der Kratterreihe Stampar stoppen. Diese Kraterreihe entstand im Zuge der Reykjanes Feuer in der Zeit zwischen 1210 und 1240. Ihr habt die Möglichkeit, in dem Lavafeld rund um die Krater zu spazieren und sie genauer unter die Lupe zu nehmen, plant 20-45 min ein.
Von hier aus schaut ihr bereits auf das Reykjanes Kraftwerk, das seit Mai 2006 Strom produziert, sowie auf die eigentliche Landspitze Reykjanes.

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Reykjanes Landspitze

Wenn ihr Richtung Kraftwerk abbiegt (Karte), gelangt ihr zum Hochtemperaturgebiet Gunnuhver, zum Leuchtturm Reykjanesviti und zum Berg Valahnúkur und damit ans Wasser.

Auf der Steilklippe Valahnúkur wurde 1878 der erste Leuchtturm Islands errichtet, bei einem Erdbeben 1887 aber schon wieder zerstört. Der heutige Leuchtturm wurde 1908 errichtet.

Berg Valahnúkar Blick auf den Leuchtturm Reykjanesviti Hochtemperaturgebiet Gunnuhver

Vor der Küste ragen diverse Felsen aus dem Meer empor - alle entstanden bei untermeerischen Vulkanausbrüchen. Nicht allen so entstandenen Felsen und Insel ist ein langes Dasein beschert, wie z. B. der Insel Nýey, die im Mai 1783 bei einem Vulkanausbruch entstand. Sie wurde am 26. Juni 1783 per königlicher Resolution dem dänischen Reich einverleibt. Als aber im Herbst eine Flagge und ein Stein mit den Intionalien des Königs in Island eintrafen, konnten sie aufgrund der Witterungsbedingungen nicht auf diese neue Insel gebracht werden. Im nächsten Frühjahr jedoch war sie schon wieder in den Fluten verschwunden.

Die ausgestorbenen Riesenalken lebten auch auf den Inseln vor der Küste - bis 1830 gab es eine Kolonie auf der dann infolge eines Vulkanausbruchs und Erdbeben verschwundenen Insel Geirfuglasker und dann anschließend auf der Insel Eldey. Das letzte dort brütende Paar wurde am 3. Juli 1844 getötet. Eine Plastik dieses Vogels steht heute am Berg Valahnúkur.

Hochtemperaturgebiet Gunnuhver

Das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver dehnt sich von Jahr zu Jahr mehr aus, immer neue Quellen erscheinen. Gunnuver ist einer der Zentralvulkane auf der Reykjanes-Halbinsel. Seit 2006 ist er wieder aktiver. Namensgebend ist die Quelle Gunnuhver, in die Anfang des 18. Jahrhunderts der Geist der Guðrún Önundardóttir, kurz: Gunna, hineingebannt worden sein soll. Von zwei Seiten aus führen Wege in das Gebiet, hin und wieder hat man Glück und kann den Schlammgeysir sehen.

Plant für Gunnuhver alleine zumindest 30 min ein, für die gesamte Gegend gut und gerne 1-2 Stunden. Als Schlechtwetteralterntive bietet sich die kleine Ausstellung im Kraftwerk an, bei der es u. a. auch um Gestirne geht.

Stand 21.12.16 ist der Berg Valahnúkur gesperrt, da sich dort ein riesiger Riss gebildet hat und die Gefahr eines Landrutsches besteht (Info von Safetravel.is).

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Grindavík

Ihr erreicht den Fischerort von der Reykjanesspitze aus nach ca. 17 km (Karte). Beachtet aber, dass es an der Quelle Gunnuhver - entgegen der Karte - keine befahrbare Verbindung gibt! In Grindavík findet ihr alles, was ihr für einen Zwischenstopp in der "Zivilisation" braucht - Tankstelle, Supermarkt, Toiletten, Lokale, Schwimmbad, einfache Unterkünfte, Zeltplatz. Der Ort hat ein ganz tolles und empfehlenswertes Museum, das sich mit dem Salzfisch beschäftigt, das Salzfischmuseum, in das inzwischen auch die Geologie-Ausstellung intgeriert wurde, die sich früher im Kraftwerk Svartsengi befand. Weitere Fotos zum Museum findet ihr hier. Plant für das Museum ca. 1 Stunde ein.

Blick vom Gipfel des Berges Þorbjörn Blick auf Grindavík vom Berg Þorbjörn Szenenbild aus dem Salzfischmuseum

Am Rande des Ortes befindet sich der Hausberg Þorbjörn, der einfach zu besteigen ist und von dem aus ihr einen schönen Überblick über die Region und auf die Blaue Lagune bekommt. Mehrere Wege von 1,5 bis 5 km Länge führen um und auf den Berg, vor Ort ist ein Parkplatz (an der Straße 43).

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Blaue Lagune

Blaue Lagune

Für viele ist die Blaue Lagune ein Muss-Ziel im Rahmen einer Islandreise. Verständlich insofern, da sie doch etwas anders ist und zudem mehr als kräftig beworben wird. Die Lagune ist als "Abfallprodukt" des Kraftwerks Svartsengi enstanden, indem das heiße Wasser aus der Tiefe nach seiner Nutzung zur Energie- und Heißwassererzeugung in das umliegende Lavafeld geleitet wurde. Und dort nicht versickerte. Irgendwann wurde sie als Badestelle mit positiver Wirkung bei bestimmten Hautkrankheiten entdeckt. Die ursprüngliche Lagune existiert in der Form jedoch nicht mehr. Im Zuge der Kraftwerkserweiterung wurde das Bad verlegt und wird seit dem immer wieder vergößert. Kritisiert werden die hohen Eintrittspreise und zum Teil die hygienischen Bedingungen. Wer nicht drin war, sagt: Ich habe nichts verpasst., wer drin war, sagt: Ach, das war schön und gehörte als Abschluss der Islandreise einfach dazu. Lustig wird es dann, wenn man sich mit mehreren Leuten den Silikatschlamm, der in separaten Behältern zur Verfügung gestellt wird (nicht den Schlamm vom Grund nehmen!) ins Gesicht schmiert. Ihr erreicht die Blaue Lagune von Grindavík aus oder auch binnen 20 min vom Flughafen - Karte.

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Vogelfelsen Krýsurvíkurberg

Wenn ihr von Grindavík aus auf der Straße 427 gen Osten weiterfahrt (Karte), erreicht ihr nach ca. 25 km das Hinweisschild auf den Vogelfelsen Krýsurvíkurberg. Vom Parkplatz aus geht es zu Fuß weiter.

Krýsurvíkurberg Krýsurvíkurberg Krýsurvíkurberg

Ihr könnt hier beliebig lange an der Küste entlangspazieren, dreht einfach irgendwann wieder um und plant ca. 1-2 Stunden ein.

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Geothermalgebiet Seltún

Grænavatn

Nahe dem Ausgangspunkt zum Vogelfelsen könnt ihr auf die Straße 42 abbiegen (Karte) und erreicht nach gut 4 km zunächst den See Grænavatn, der sich seine Farbe beeindruckt. Es handelt sich hier um einen Krater des Typs Maar, der wie einige andere Maare in der Region wahrscheinlich vor 6.000 Jahren enstand. Vom Grænavatn aus startet ein Wanderweg bis zum See Kleifarvatn, auf dem ihr an heißen Quellen und Solfataren vorbeikommt - immer schön dem Geruch folgen. Wer nicht wandern möchte, für den ist der Grænavatn nur ein Fotostopp.

Schon vom See aus seht ihr die rauchenden Berghänge. Fahrt einfach noch knapp 2 km weiter und dann seid ihr unmittelbar beim Geothermalgebiet Seltún. Hier riecht es dann wieder lecker, es blubbert und dampft.

Geothermalgebiet Seltún Geothermalgebiet Seltún Geothermalgebiet Seltún

Durch das Gebiet wurden Holzstege angelegt. Plant ca. 30 min für die kleine Runde ein. Ihr habt aber auch die Möglichkeit, auf den Berg zu wandern - oben angekommen, erwarten euch weitere Solfataren - oder dem Wanderweg "hinter den Berg" zu folgen.

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See Kleifarvatn

Kleifarvatn

Der See befindet sich in unmittelbare Nähe von Seltún. Neben der "Tatsache", dass es dort ein Seeungeheuer geben soll, ist interessant, dass der See, der weder Zu- noch Abfluss hat, zuletzt nach einem Erdbeben am 17.06.2000 begann, über eine Spalte, die unter dem See verlief, abzulaufen. Solche Art Wasserstands-änderung trat damals aber nicht zum ersten Mal auf. Ihr habt die Möglichkeit, am See entlang zu spazieren oder einfach nur die teils richtig schöne Aussicht bei Fotostopps zu genießen.

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Ihr könnt eure Reise entweder über Straße 42 Richtung Hafnarfjörður und dann Reykjavíl fortsetzen oder ihr umrundet die Reykjanes-Halbinsel auf der Straße 427, die seit einige Jahren durchgehend asphaltiert ist, fahrt dabei immer an der Küste entlang und stoßt letztendlich nahe Hveragerði auf die Ringstraße (Karte).

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