Landmannalaugar

Landmannalaugar

Es gibt viele Orte auf Island, die einem ein Wow! entlocken, Landmannalaugar verschlägt einem den Atem. Das Hirn muss sich sortieren, weil es sich nicht auf dieser Welt wähnt. Man möchte sich hinsetzen und einfach nur schauen. Diese Perle, das größte Rhyolitgebiet Islands, sollte irgendwann auf eurer Reiseliste stehen. Wenn nicht beim ersten Mal, dann bei einem nächsten Mal.

Landmannalaugar bedeutet die warmen Quellen der Leute von Land(sveit), gemeint ist die damalige Region Land. Es ist Teil des Torfajökull-Vulkansystems. Die letzten Ausbrüche hier haben 1477 stattgefunden - die dabei entstandende Lavafelder laden zu Wanderungen und zur Erkundung der Region ein.

AnfahrtService vor OrtWanderungenEldgjá

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Anfahrt

Anfahrt nach Landmannalaugar

Um euch die Anfahrtsmöglichkeiten in der Übersicht aufzuzeigen, verweise ich auf die Karte von landmannalaugar.info (siehe rechts).

Eine der Strecken ist die Hochlandpiste Landmannaleið, die F225 (Karte). Den Startpunkt erreicht ihr, indem ihr westlich von Hella auf die Straße 26 abbiegt. Ihr fahrt dabei an der Hekla vorbei und erreicht nach knapp 49 km den Abzweig, die Strecke bis dahin ist auf den letzten Kilometern nicht asphaltiert. Die F225 ist für normale Miet-PKW verboten zu fahren, es gibt einige Furten. Bis Landmannalaugar sind es entlang der F225 ca. 49 km, plant dafür 70-100 min ein.

Eine weitere Möglichkeit ist die Anfahrt über die nördliche F208 (Karte). Ihr fahrt dazu auf der Straße 26 weiter und lasst Raststätte und Hotel in Hrauneyjar hinter euch. Der Abzweig auf die Straße 208/F208 ist ausgeschildert. Von der Ringstraße aus sind es ca. 91 km entlang der Straße 26 bis hierher (ca. 70-80 min). Bis zum Wasserkraftwerk ist die Straße 208 noch asphaltiert, danach wird es etwas rauer. Rechnet für die 32 km lange Strecke mit 60-75 min.

Hrauneyjalón Blick Richtung Hekla F 208

Von der Straße F208 weist ein kleines Schild zum Maar Hnausapollur. Es lohnt sich, diesen kurzen Abstecher für einen Fotostopp zu fahren oder zu laufen (Karte). Diese nördliche Strecke ist die einzige, auf der ihr keine Furt habt - bzw. vor der einzigen, direkt beim Zeltplatz, könnt ihr parken und die letzten Meter zu Fuß gehen. Für normale Miet-PKW ist sie in der Regel dennoch verboten.

Beide Pisten (F225 und F208) treffen sich nahe dem See Frostaðavatn. Direkt an der Kreuzung zweigt auch eine Straße zum Maar Ljótipollur ab (Karte) - der Weg rauf ist reichlich rau und je nach Fahrzeug müsst ihr die letzten Meter eventuell zu Fuß gehen, aber es lohnt sich.

Der weitere Weg führt euch am See entlang und kurz bevor die Straße einen scharfen Knick nach links macht, lohnt sich ein Fotostopp am Frostaðavatn. Von hier aus habt einerseits einen tollen Blick über den See und auf das Lavafeld Suðurnámshraun (1477), das in den See "fließt". Auf der anderen Seite könnt ihr einen Blick auf den Krater Stútur werfen, aus dem ebenfalls 1477 das Lavafeld Norðurnámshraun hervorging.

Hnausapollur Krater Stútur Frostaðavatn

Zu diesen Zielen könnt ihr natürlich auch zu Fuß gehen, was sich insbesondere lohnt, wenn ihr mehr als einen Tag vor Ort seid.

Kurz vor dem Zeltplatz Landmannalaugar stößt dann auch die dritte Anfahrtstrecke dazu - die südliche F208 (Karte). Sie beginnt ca. 25 km westlich von Kirkjubæjarklaustur oder 49 km östlich von Vík und führt euch auf 75 km auf eine wieder ganz andere und wunderschöne Art durch das südliche Hochland. Auf dieser Strecke werdet ihr mehr Grüntöne sehen, es sind ca. 20 mehr oder weniger große/tiefe Furten zu bewältigen und ihr kommt auch an der Vulkanspalte Eldgjá vorbei. Insbesondere die letzten 30 km von der Eldgjá nach Landmannalaugar ziehen sich, ihr solltet ab der Ringstraße ca. 2 Stunden Fahrtzeit einplanen.

F208 F208 F208

Vor Erreichen des Zeltplatzes wartet eine letzte Furt, die recht einfach zu durchfahren ist. Es sei denn, ihr fahrt genau in der Mitte durch, wo es recht tief ist. Wer will, kann sein Fahrzeug vor dieser Furt parken und dann zu Fuß zum Zeltplatz gehen (ca. 200 m?) - es gibt für Fußgänger eine Brücke.

Furt vor Landmannalaugar Fußgängerbrücke Landmannalaugar

Es lohnt sich, zumindest zwei verschiedene Routen zu fahren - die eine rein, die andere raus, da alle drei Routen ein völlig unterschiedliches Gesicht, einen eigenen Charakter aufweisen und jede für sich wunderschön ist.

Mehrere Busunternehmen bieten im Sommer Linienverkehr nach Landmannalaugar an und das inzwischen mit mehreren Abfahrten am Tag. Dadurch lohnt es sich inzwischen, auch nur für einen Tagesausflug vorbeizuschauen, während das früher bei knapp 3 Stunden Aufenthalt nicht sooo sinnvoll war. Schaut bezüglich der Verbindungen nach bei: Reykjavík Excursions, Trex oder Sterna.

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Service vor Ort

betreibt vor Ort die Hütte und den Zeltplatz. 2017 kostet der Hüttenplatz 8.000 isk, der Zeltplatz 2.500 isk pro Person, Duschmarken gibt es für 500 isk. Wer nicht übernachtet, muss eine Servicegebühr in Höhe von 500 isk zahlen - davon werden u. a. die Sanitäranlagen unterhalten. Im Sommer sind Wardens vor Ort, die euch zur Region und zu Wanderungen informieren. Ihr könnt dort auch Wanderkarten erwerben - vom einfachen, aber für den Kurzaufenthalt ausreichenden Faltblatt bis zum Wanderführer.

Die Hütte und ihre Einrichtung (z. B. Küche) darf nur von Personen genutzt werden, die dort übernachten - in den Schlafräumen schnarcht alles kuschelig zusammen. Der Zeltplatz ist als Heringsverbieger bekannt. Auf dem ganzen Platz sind Kisten mit Steinen verteilt, die ihr zum Abspannen nutzen könnt.

Die nächstgelegene Unterkunft (Hütten und Zeltplatz) findet ihr 19 km entfernt in Landmannahellir (Karte). Bitte beachtet, dass das Gebiet um Landmannalaugar ein Naturschutzgebiet ist. Zelten ist hier nur auf ausgewiesenen Zeltplätzen erlaubt.

Im Sommer gibt es vor Ort die Mountain Mall, zwei alte Busse, die zu einem kleinen, aber feinen Laden und einem "Café" in Form einer Sitzgelegenheit umfunktioniert wurden. Tagestouristen lockt der Kaffee, Mehrtageswanderer freuen sich nach Tagen der Schmalspurlebensweise über Leckereien, die sie hier nicht erwarten würden. Informationen zur Mountain Mall erhaltet ihr hier - eine Seite, die einst von den alten Shop-Besitzern erstellt wurde.

Furt vor Landmannalaugar Fußgängerbrücke Landmannalaugar

In der Nähe der Hütte und des Sanitärgebäudes gibt es eine Badestelle - von einer Stelle fließt hier heißes Wasser ein. Im Sommer kann man sich an vielen Stellen hinsetzen und dabei unterschiedlichste Temperaturen genießen. Im Frühsommer (auch Anfang Juli noch) ist es möglich, dass es nur an wenigen Stellen angenehm warm ist - Plätze, die dann heiß begehrt sind. Direkt an der Badestelle befindet sich ein Podest mit ein paar Haken, wo ihr eure Sachen verstauen könnt. Nehmt am besten große Beutel, in die ihr alles werfen und mit denen ihr eure Sachen auch vor Regen schützen könnt. Wer mag, kann sich auch im Sanitärgebäude umziehen, dort gibt es auch Duschen.

Telefonempfang kann möglich sein, vor allem, wenn ihr etwas höher unterwegs seid. Eine Internetverbindung erwartet eher nicht. Um Strom zu produzieren, muss der Generator angeschmissen werden, es gibt keine Leitung! Fragt im Notfall bei den Wardens nach. Wenn euer Auto nicht spurt, sprecht einen der anderen Autofahrer an - eine Werkstatt gibt es weit und breit nicht. Im Sommer sind inzwischen Freiwillige der Rettungsmannschaften vor Ort stationiert. Die nächstgelegene Tankstelle befindet sich im 40 km entfernten Hrauneyjar (erreichbar über die nördliche F208).

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Wanderungen

Landmannalaugar

Vor Ort gibt es eine große Vielfalt an Wandermöglichkeiten. Was ihr konkret unternehmt, hängt auch davon ab, wieviel Zeit ihr habt. Sofern ihr noch keine Wanderkarte habt, besorgt euch bei den Wardens vor Ort zumindest die gezeichnete Karte des ehemaligen Shop-Besitzers Smári, die euch einen tollen Überblick gibt und die ihr praktikabel während der Wanderung mit euch führen könnt (ist ein DIN A4-Blatt).

Als erste Schnuppertour würde ich euch die Tour durch das Lavafeld Laugahraun empfehlen und zurück durch die Schlucht Grænagil. Die Strecke ist 4,3 km lang und ihr benötigt 1,5 bis 2 Stunden dafür, Fotoenthusiasten natürlich länger. Ihr könnt direkt am Camp starten und beginnt somit mit dem Aufstieg ins Lavafeld. Orientiert euch an den rot-weißen Markierungen in Richtung des großen bunten Berges (Brennisteinsalda) und schwenkt an der großen Solfatare den weißen Markierungen folgend nach links - ihr könnt diese Stelle weder optisch noch geruchstechnisch verfehlen.

Landmannalaugar Landmannalaugar Landmannalaugar

Eine ebenfalls sehr schöne Route ist die über den Berg Brennisteinsalda, der euch schon von Weitem anleuchtet. Ihr startet ebenso wie bei der vorhergehenden Tour, setzt an der Solfatare aber euren Weg zum Gipfel fort (rote Markierung). Ihr folgt dazu zunächst der Ausschilderung des Fernwanderweges Laugavegur, bevor die grünen Markerierungen euch dann scharf nach rechts auf den Gipfel lotsen. Über den Berg steigt ihr dann ab in die Schlucht Vondagil. Die Strecke ist mit 6,5 km und einer ungefähren Dauer von 2-3 Stunden angegeben.

Landmannalaugar Landmannalaugar Landmannalaugar

Eine weitere beliebte Tour, die euch grandiose Ausblicke bietet, ist die auf den Berg Bláhnúkur. Es geht dabei anfangs sehr steil bergan, der Weg ist schmal und der Abstieg runter in die Schlucht Grænagil ist bisweilen rutschig. Ein wenig Kondition und Trittsicherheit sind hier also erforderlich. Die Tour ist mit 5,7 km und einer Dauer von 2,5-3,5 Stunden angegeben.

Landmannalaugar Landmannalaugar Landmannalaugar

Ihr könnt natürlich die Wanderungen auch miteinander verbinden. Außerdem gibt es einige längere, markierte Wanderungen rundherum über die Berge, so dass ihr locker Touren für mehrere Tage findet.

In Landmannalaugar startet bzw. endet auch der Fernwanderweg Laugavegur, der euch in 3-4 Tagen nach Þorsmörk (55 km) oder mit 1-2 Tagen Verlängerung bis nach Skógar an der Südküste (80 km) führt. Die Tour ist bei gutem Wetter ein Traum, auch wenn hier mehr Wanderer als auf anderen Wegen unterwegs sind. Das Wetter kann aber auch sehr schnell umschlagen. Startet nie unvorbereitet auf diese Tour. Wenn ihr mit dem Zelt unterwegs seid, bedenkt, dass ihr auch bezüglich des Kochens (Kocher, Brennstoff) auf euch selbst gestellt seid und die Hütteneinrichtungen nicht nutzen könnt. Hüttenplätze wiederum müssen teils lange im Voraus gebucht werden, wenn ihr nur einen bestimmten Termin zur Verfügung habt. Informationen findet ihr in diesen Büchern/Broschüren:

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Eldgjá

Die Vulkanspalte Eldgjá hat nicht wirklich etwas mit Landmannalaugar zu tun, da sie aber auf der Route entlang der südlichen F208 auf dem Weg liegt und in dem Zusammenhang meist auch mit angefahren wird, möchte ich sie zumindest kurz erwähnen.

Bohrkerne aus Grönland haben ans Tageslicht gebracht, was in isländischen Quellen nicht zu finden war - diese längste Vulkanspalte der Erde (70-75 km), die sich bis unter den Mýrdalsjökull zieht, enstand bei Ausbrüchen in den Jahren 934-938. Es war wie auch später die Laki-Feuer eine Großeruption, die massive Auswirkungen gehabt haben muss. Die zentrale Spalte ist 8 km lang.

Wenn ihr auf dem Weg nach Landmannalaugar von der Straße F208 abbiegt, könnt ihr einen Teil davon erkunden (Karte). Eine knapp 2 km lange Piste führt euch in die Spalte. Vor Ort sind ein Parkplatz und ein Toilettenhäuschen sowie Informationstafeln. Ihr könnt in der Spalte, die am Berg Gjátindur endet, entlangspazieren und kommt innerhalb von ca. 30 min in Sichtweite des Wasserfalls Ófærufoss. Wenn ihr bis zum Wasserfall gehen möchtet, plant mehr Zeit ein. Bei meinem letzten Besuch im August 2014 war man dabei, eine Plattform am Wasserfall zu errichten, die inzwischen fertiggestellt sein dürfte. Ebenso bestehen Möglichkeiten, oben am Spaltenrand entlang zu wandern. Aber für eine kurze Stippvisite ist die Tour in der Spalte ganz gut geeignet.

Eldgjá Eldgjá Eldgjá

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