Reiseart

Jeder von uns hat unterschiedliche (Beweg)Gründe, warum er auf die oder andere Art reist und dies auch vielleicht von Reiseziel zu Reiseziel verschieden tut. Ich selber war sowohl als Teilnehmer von Gruppenreisen als auch selbst organisiert unterwegs, bin mit Bussen, mit Mietwagen oder mit dem Rad gereist, habe eigene Touren mehr oder weniger intensiv vorgeplant und bin inzwischen Hunderte Kilometer mit dem Trekkingrucksack auf Wanderwegen unterwegs gewesen. An dieser Stelle möchte ich euch Hinweise zu unterschiedlichen Arten des Reisens geben, die jedoch nicht vollständig sind.

GruppenreisenIndividualreisenindividuell per LinienbusSchiffsreiseStandort- oder Rundreisemit dem Rad entlang der RingstraßeTrekkingPlanungsintensität

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Gruppenreisen

Gruppenbild

Reisegruppen sind Zwangsgemeinschaften auf Zeit - ich bin auf einer Reise zusammen mit Leuten, die ich in der Regel vorher nicht kenne. Darin kann das Risiko liegen, auf Menschen zu treffen, die mir nicht "liegen", aber auch die Chance, Menschen zu treffen, die ich mag und die ich sonst nie getroffen hätte und mit denen ich auf diese Weise gemeinsam eine schöne Zeit verbringen kann.

Bei Gruppenreisen ist im Grunde alles vororganisiert. Ich muss mich um keinen Transfer vom/zum Flughafen kümmern, alle Unterkünfte sind gebucht, ich werde durchs Land gefahren, jemand anderes hat die Tage durchgeplant, ein Reiseleiter erzählt mir Wissenswertes - ich muss mich im Grunde um nichts kümmern, kann in den Entspannungsmodus schalten und genießen. Ich habe auch im Vorfeld der Reise wenig Planungsaufwand - muss einfach nur eine Reise auswählen und sie buchen und eventuell noch meine bestehende Ausrüstung aufstocken.

Auf der anderen Seite muss ich mich einfügen in einen vorgegebenen Takt. Muss mich an Zeiten, die jemand anderes geplant hat, halten, kann nicht ausscheren, kann nur selten auf eigene Faust losziehen.

Wenn mir also Reiseplanung an sich nicht liegt oder ich keine Zeit dazu habe, ich Bedenken habe, alleine in einem fremden Land zu reisen, Sprachschwierigkeiten habe, grundsätzlich gerne mit anderen verreise, es toll finde, dass alles organisiert ist, es entspannt finde, dass mir jemand auf der Reise etwas erzählt, statt dass ich es mir selber anlesen muss - dann bin ich auf einer Gruppenreise gut aufgehoben.

Als Reiseleiter finde ich Gruppengrößen von 15-24 Personen angenehm, habe aber auch schon Gruppen mit über 40 Teilnehmern geführt. Je mehr Teilnehmer dabei sind, umso anstrengender wird es für alle Beteiligten, umso mehr geht der einzelne in der Masse unter, umso mehr zieht sich alles (z. B. Foto- oder Toiletten-Stopps). Als Reisender ist es bei größeren Gruppen aber auch einfacher, dem einen oder anderen aus dem Weg zu gehen. Je kleiner die Gruppe ist, umso weniger ist das möglich.

Gruppenbild

Ich habe Gruppen geführt, bei denen wir mit max. 8 Teilnehmern in einem Minibus/Van unterwegs waren und fast jede Nacht gemeinsam in einem Raum oder verteilt auf wenige Räume schliefen. Das bedeutete, dass die Privatsphäre sehr stark eingeschränkt war, wir fast die gesamte Reisedauer über ständig beieinander waren. Entweder hat man in solch einer Situation Glück und alle mögen sich oder alle Beteiligten bringen ein sehr großes Maß an Toleranz mit. Oder es knallt zwischendurch. Das nennt man dann Gruppenkoller. Bei meinen eigenveranstalteten Reisen in dieser Gruppenstärke hatte ich die Übernachtungen in Hotels gebucht, so dass jeder zumindest am Abend seinen Rückzugsraum hatte und wir mussten uns nicht ums Essen kümmern. Rückzugsraum zu haben, ist bei Gruppenreisen einfach wichtig.

Einige Veranstalter bieten für Island auch Kleingruppenreisen an, die dann Zeltreisen sind. Als Reiseleiter habe ich solche Gruppen nicht führen wollen. Zelten an sich ist schon speziell und unter den Bedingungen, die auf Island herrschen, noch viel mehr. Ich selber liebe es zu zelten und tue das auch in Island. Aber wer dem nicht gewachsen ist oder gar noch nie zuvor gezeltet hat, der wird von so einer Reise schnell überfordert. Man kann sich zwar in sein Zelt zurückziehen und hat dabei sicher etwas mehr Rückzugsraum als bei Hüttentouren. Aber auch wenig Platz für die eigenen Sachen, kaum Möglichkeiten etwas zu trocknen oder sich bei schlechtem Wetter zu bewegen. Was, wenn es viele Tage des Urlaubs regnet oder kalt oder unangenehm ist, wenn auch der wärmste Kakao die Laune nicht mehr aufpeppeln kann?

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Individualreisen

Individualreisende

Wenn ich alleine unterwegs bin oder mit Menschen, die ich kenne, selbst organisiert, dann kann ich meine Reise so gestalten, wie ich sie haben möchte. Ich kann so lange an Orten verweilen, wie es mir gefällt, kann so oft fotostoppen, wie ich möchte, kann den Tag so lange ausnutzen, bis ich nicht mehr mag. Ich bestimme, wann ich aufstehe, wann ich esse, welche Museen ich besuche, kann mich zurückziehen, wenn es mir an einem Ort zu voll ist und ggf. später wiederkommen.

Auf der anderen Seite liegt der gesamte Organisationsaufwand bei mir. Ich muss mir im Vorfeld zumindest grob überlegen, was ich vorhabe, muss Flüge, Unterkünfte und den Transport buchen. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, muss irgendwer fahren, der sich dann auf die Straße statt auf die Landschaft konzentrieren muss. Wenn ich nicht nur informationslos durch das Land fahren und gehen möchte, müsste ich mir zumindest ein paar Dinge anlesen - im Vorfeld oder während der Tour. Ich muss mich wenn nicht gar um alles, dann doch um das meiste selber kümmern und vor Ort ist dann niemand, der empfiehlt: Macht doch dies oder jenes, das lohnt sich, das nicht.

Einen Teil des Organisationsaufwandes kann ich mir abnehmen lassen, in dem ich eine Mietwagenrundreise buche, bei der ein Reiseveranstalter Unterkünfte und Fahrzeug und ggf. auch die Flüge bucht. Wie informativ dann die Reiseunterlagen sind, die mich vor Ort durch das Land führen, wie sinnvoll die Strecke geplant ist, das ist von Veranstalter zu Veranstalter verschieden.

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individuell mit dem Linienbus in Island reisen

Grundsätzliche Informationen zu den verkehrenden Linienbussen findet ihr hier. Die wichtigste Information ist, dass viele Busse nur im Sommer verkehren - die Fahrpläne von Iceland on your own (RE), Sterna und SBA starten frühestens Anfang Juni, für einzelne Verbindungen sogar erst Mitte oder Ende Juni. Oftmals wird der Verkehr Ende August wieder eingestellt, einige Strecken werden evt. noch bis Mitte September bedient. Außerhalb dieser Zeit seid ihr auf die Verbindungen von Straeto angewiesen, die die Strecken außerhalb des Großraums Reykjavík aber nicht an jedem Tag der Woche bedienen! Im Sommer fahren die Busse in der Regel einmal täglich.

Wanderer auf dem Laugavegur

Wer mit dem Bus zum Ausgangspunkt einer Trekkingtour fahren möchte, findet bei einigen Wanderwegen wie z. B. dem Laugavegur eine recht gute Anbindung vor, bei anderen Wegen kommt man nicht unmittelbar zum Startpunkt oder vom Ziel wieder weg.

Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Zielen - Linienbusse halten nicht zwingend an sehenswerten Orten, an Zeltplätzen oder vor eurer geplanten Unterkunft. Ihr seid darauf angewiesen, nur an den geplanten Orten und für die geplante Dauer zu stoppen. Wenn ihr an einem Ort länger bleiben möchtet, könnt ihr die Reise erst am nächsten Tag fortsetzen. Und wie ihr vom Ort des Busstopps zu den sehenswerten Orten in der Region kommt, ist dann das nächste kleine Problem.

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Eine Reise mit dem Schiff

Kreuzfahrtschiffe

Kreuzfahrten erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und das ist auch in Island zu spüren. Mehr und mehr werden die Tage, an denen nicht nur ein Schiff vor Anker liegt. Die meisten Schiffe steuern Reykjavík und Akureyri an, einige auch Ísafjörður in den Westfjorden oder Stykkishólmur oder Grundarfjörður auf Snæfellsnes. Kleinere Schiffe wie die Ocean Diamond oder die Fram fahren auf Rundreisen um Island mehrere, auch kleinere Häfen an.

Die Anzahl der Ausflugsziele bei einem Landgang ist überschaubar. Von Akureyri aus wird z. B. die Mývatn-Region angesteuert, von Reykjavík aus sind es der Golden Circle oder die Blaue Lagune. Angesichts der Anzahl an Menschen, die auf einem Schiff unterwegs ist, wird es dann mit einem Schlag sehr voll. In einem kleinen Land wie Island mit einer touristischen Infrastruktur, die nicht auf Masse ausgerichtet ist, fällt das dann sehr stark auf.

Erwähnt werden soll auch die Schiffsreise mit der Fähre Norröna, die im Osten des Landes, in Seydisfjörður ankommt. Während das Gros der Passagiere diese Fahrt als reine Fährpassage nach Island nutzt, bieten vor allem in der Nebensaison mehr und mehr Busreiseveranstalter diese Tour als kleine Kreuzfahrt an. Passendes Wetter vorausgesetzt, führen die meisten Tagesausflüge während des in der Regel 2-tägigen Islandaufenthaltes an den See Mývatn sowie ein wenig durch die Ostfjorde.

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Standort - oder Rundreise?

Hüttendorf

Für eine Reise mit einem oder wenigen Standorten spricht, dass ihr nicht jeden Tag eure Koffer packen und jeden Abend aufs Neue irgendwo einchecken müsst. Die Straßensituation in Island führt aber dazu, dass ihr bei Standortreisen bestimmte Strecken immer und immer wieder fahren müsst, um zu verschiedenen Zielen zu gelangen. Ihr könnt nicht mal eben kreuz und quer über die Insel fahren - vielfach geht es einfach nur im Kreis. Und das kann auf die Dauer nervend sein.

Es gibt Regionen, in denen lohnt es sich, ein paar Tage länger zu verweilen. Wenn ihr z. B. im Gebiet des Eyjafjallajökull übernachtet und von dort aus Touren auch auf die Westmännerinseln, nach Þorsmörk oder Landmannalaugar unternehmen wollt, dann könnt ihr locker 4 Nächte an einem Ort bleiben. Oder 2-3 Nächte am See Mývatn oder zwei Nächte auf der Halbinsel Snæfellsnes.

Wer sich ganz gezielt nur für eine Region entscheidet, für den kann es natürlich angebracht sein, an nur einem Standort zu übernachten. Aber selbst Reykjavík finde ich als Standort für die gesamte Reise ungünstig, habe auf Tagestouren mit Busgruppen erlebt, wie wenig (zeit)effektiv es ist und als nervend empfunden wird, bestimmte Strecken doppelt und dreifach fahren zu müssen, einfach weil man wieder nach Reykjavík zurück muss.

Ich persönlich würde für Island in den meisten Fällen eine Rundreise mit wechselnden Unterkünften empfehlen, gerne mit Mehrfachübernachtungen in einzelnen Regionen. Ihr habt in der Regel mehr davon, habt mehr Zeit vor Ort, wenn ihr euch nur in eine Richtung bewegt. Und an das tägliche Packen gewöhnt man sich - eigentlich muss der Koffer ja gar nicht ausgepackt werden.

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Mit dem Rad auf der Ringstraße um die Insel

Straßenverhältnisse

Als Reiseleiterin bin ich Sommer für Sommer Runde um Runde entlang der Ringstraße um die Insel gefahren. Aufgefallen ist mir dabei, dass die Anzahl der Radfahrer, die Island auf der Ringstraße umrunden, zugenommen hat. Nun sind Islands Straßen nicht die breitesten, es gibt keinen Randstreifen, auf dem ihr fahren könnt und der Straßenverkehr hat insgesamt enorm zugenommen. Busfahrer stehen unter Zeitdruck, die Fahrer mancher Fahrzeuge werden angesichts der Landschaft dazu verleitet, hin und wieder einen Blick rechts und links aus dem Fenster zu werfen, statt sich auf die Straße vor ihnen zu konzentrieren. Seht einfach zu, dass ihr immer gut sichtbar seid, insbesondere an Regentagen, um eure eigene Sicherheit zu erhöhen.

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Trekking

Wanderer

Wer vorhat, einen der isländischen Fernwanderwege oder auf eigener Route über das Hochland zu wandern, sollte etwas intensiver in die Planung einsteigen. Welche Gegebenheiten erwarten mich vor Ort, muss ich Flüsse queren, wie organisiere ich den Verpflegungsnachschub, wieviel Zeit muss ich planen und viele Fragen mehr sollten vorab geklärt sein. Hilfreich für den Einstieg sind die Seiten isafold.de von Dieter Graser, auf denen ihr neben Tourenberichten viele trekkingrelevante Informationen und auch eine Übersicht über die beliebtesten Trekkingrouten findet.

Hilfreich sind auch der Wanderführer mit den schönsten Wanderungen in Island sowie die Spezialbroschüre zum Laugavegur, beide von Uwe Grunewald:

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Wie intensiv plane ich meine Reise vor?

Wer individuell in Island unterwegs sein möchte, steht irgendwann vor der Frage, wie intensiv er diese Reise vorplant. Selbst Mietwagenrundreisende müssen sich zumindest für eine der vielen angebotenen Touren entscheiden - sie können natürlich eine Münze werfen oder aber im Vorfeld überlegen, was sie eigentlich sehen möchten. Wenn ihr vorhabt, im Sommer nach Island zu reisen und nicht zeltend oder mit dem Camper unterwegs sein wollt, dann kommt ihr nicht drum herum, Unterkünfte vorzubuchen. Um hier eine sinnvolle Etappeneinteilung vornehmen zu können, solltet ihr wissen, was euch unterwegs an Sehenswertem erwartet, wo ihr evt. für diverse Aktivitäten mehr Zeit benötigt, wo es sich lohnt, länger zu verweilen, durch welche Regionen ihr zügiger reisen könnt. Ihr könnt natürlich relativ planlos nach Island reisen und euch dann vor Ort inspirieren oder in den Touristinformationen informieren lassen. Das aber kostet euch alles Zeit, die von eurer Urlaubszeit abgeht.

Auf der anderen Seite ist es wenig sinnvoll, eine Islandreise bis ins letzte Detail durchzuplanen, denn viel zu oft macht euch zumindest das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Wenn die Sonne scheint, erstrahlt die Landschaft um ein Vielfaches schöner und ihr seid eher geneigt, länger an einem Ort zu verweilen. Wer dann einen strammen Zeitplan hat, steht schnell unter Druck. Regen hingegen führt oft dazu, dass anvisierte Ziele nur kurz oder gar nicht angesteuert werden.

Mit Busgruppen sind wir in der Regel 9 Stunden unterwegs. Angesichts der Fülle an Eindrücken, die man in Island erhält, empfinde ich das als eine angenehme Zeitdauer - irgendwann wollen all die Eindrücke auch verarbeitet werden. Wenn ihr als Individualreisende eure Reisetage auch in diesem Zeitumfang plant, habt ihr immer noch Luft nach oben, wenn ihr an irgendeinem Ort länger verweilt. Plant nicht zu viel für einen Tag und bedenkt, dass ihr auf den Straßen zwar max. 90 km/h fahren dürft, sich eure Durchschnittsgeschwindigkeit aber weit darunter befinden wird.

Beim Gespräch mit Individualreisenden vor Ort habe ich immer wieder von Tourenplanungen gehört mit Reiseetappen, die in Stress ausarteten. Ein Beispiel dazu: Zwei Reisende waren mit der Vormittagsfähre auf den Westmännerinseln und von dort am frühen Nachmittag wieder zurück. Das Ziel des Tages lag in Höfn. Damit hatten sie nur wenige Stunden für die gesamte Südküste vom Seljalandsfoss über Klaustur nach Skaftafell und entlang des Gletschers Vatnajökull - eine Strecke, auf der man sich gut und gerne 2-3 Tage aufhalten kann. Meine Empfehlung kann daher nur lauten: Nehmt euch zumindest ein bisschen Zeit für die Planung, damit ihr vor Ort dann nicht das Gefühl habt, im Stress zu sein und die Hälfte zu verpassen. Urlaub soll auch Spaß machen.

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